Welcher Kinderwagen ist der richtige?
Allgemein | Schwangerschaft

Die Wahl des richtigen Kinderwagens

24. Juni 2018

Als ich schwanger war und im Kindergeschäft stand, um einen Kinder­wa­gen zu kaufen, war ich erst ein­mal über­fordert: Es gab 100 Kinder­wä­gen und alle waren sie unter­schiedlich.
Ich hat­te keine Ahnung, auf was man beim Kinder­wa­genkauf achtet und welch­er für unseren Fall (ländliche Wohnge­gend, auf ein Auto angewiesen) der richtige ist.
Nach­dem wir mehrere Beratun­gen in Anspruch nah­men, haben wir uns für ein Mod­ell entsch­ieden, mit dem wir bis heute zufrieden sind.

Daher erzäh­le ich euch heute erzählen, auf was ihr beim Kauf eines Kinder­wa­gens acht­en soll­tet.
In einem sep­a­rat­en Artikel, der noch fol­gt, stelle ich euch den Kinder­wa­gen vor, für den ich mich entsch­ieden habe sowie das Kinder­wa­gen-Mod­ell mein­er Fre­undin.


Was ist grundsätzlich beim Kauf eines Kinderwagens wichtig?

 

1. Sitz- und Schieberrichtung variierbar

 

Bei eurem Kinder­wa­gen soll­tet ihr grund­sät­zlich darauf acht­en, dass die Baby­wanne (der Teil, in dem das Baby liegt) in der Sitz- und Schieber­rich­tung vari­ier­bar ist, d.h er sollte…

  • sowohl vor­wärts als auch rück­wärts (d.h. mit dem Blick zu euch) ein­stell­bar sein

 

  • beim Sport­sitz (dem Fol­ge­sitz zur Baby­wanne) nach vorne oder hin­ten kipp­bar sein, damit man das Kind in eine liegende Posi­tion brin­gen kann, wenn es eingeschlafen ist

 

Hin­weis: Im 1. Baby­jahr empfehle ich euch, das Kind möglichst nur rück­wärts gerichtet im Kinder­wa­gen zu befördern. Hierzu find­et ihr unter anderem diese umfassende Studie.

Dieses Video zeigt zudem sehr gut den Blick­winkel eines Babys, das in einem Kinder­wa­gen vor­wärts gerichtet trans­portiert wird. Habt dabei im Hin­terkopf, dass Babys und Kleinkinder eine andere Wahrnehmungsweise wie wir haben und viel schneller wie Erwach­sene reizüber­flutet oder über­fordert sind:

Beson­ders hil­fre­iche Infor­ma­tio­nen zu diesem The­ma find­et ihr auch in diesem Artikel und in diesem.

 

2. Feststellbremse

 

Der Kinder­wa­gen sollte unbe­d­ingt eine Fest­stell­bremse haben, damit ihr den Kinder­wa­gen fix­ieren kön­nt und er nicht davon rollt.

 

Was sollte ich bei der Auswahl eines Kinderwagens außerdem beachten?

 

Welch­er Kinder­wa­gen der richtige für ist, hängt von ver­schiede­nen Fak­toren ab.
Je nach­dem, wie bzw. wo ihr wohnt und auf was ihr Wert legt, passen ver­schiedene Kinder­wa­gen zu euch.

Daher stelle ich euch einige Fra­gen.
Wenn ihr diese für euch beant­wortet, habt ihr am Ende eine genauere Vorstel­lung, welche Eigen­schaften euer Kinder­wa­gen haben sollte (und welche nicht).
Mit diesen „Anforderun­gen“ kön­nt ihr anschließend bei Bedarf einen Beratung­ster­min im Fachgeschäft eures Ver­trauens wahrnehmen.

 

1. Euer Wohnort?

 

Wohnt ihr in ein­er ländlichen Gegend mit uneben­em Gelän­der oder wohnt ihr in der Stadt?

In ländlich­er Gegend
Wenn ihr in ein­er ländlichen Gegend wohnt und z.B. öfters über unebenes Gelän­der  (Wiesen, Felder, Strände o.ä.) fahrt, sind Stoßdämpfer in den Reifen hil­fre­ich, damit das Kind beim Darüber­fahren nicht „durchgeschüt­telt“ wird. Zudem sind fest­stell­bare, große Vorder­räder am Kinder­wa­gen hil­fre­ich.

In der Stadt
Wenn ihr in ein­er Stadt wohnt, sollte der Kinder­wa­gen einen kleinen Wen­dekreis haben. Hil­fre­ich sind hier schwenkbare Räder.
Stellt euch ein­fach vor dem Kauf vor, ihr wollt mit dem Kinder­wa­gen einkaufen gehen: In welche Geschäfte würdet ihr üblicher­weise fahren? Wie groß oder eng sind diese? Wie viel Asphalt oder Bor­d­steine gibt es auf dem Weg dort hin?
Ihr soll­tet z.B. durch enge, kurvige Gänge fahren kön­nen, ohne ständig mit dem Wagen hän­gen bleiben. Der Kinder­wa­gen sollte also möglichst wendig sein.
Inter­es­sant ist auch der Stau­raum im Kinder­wa­gen: Wie viel Kilo­gramm passen unten in die Ablage und wie groß ist die Ablage?

Wohnt ihr in ein­er Gegend mit vie­len Hügeln oder in ein­er eher flachen Region?

In bei­den Fällen ist eine Fest­stell­bremse wichtig, mit der ihr den Kinder­wa­gen fix­ieren kön­nt. So rollt der Kinder­wa­gen nicht davon, wenn ihr kurz anhal­tet.
Die Fest­stell­bremse sollte in ein­er hügeli­gen Gegend aber möglichst auf zwei Räder wirken, damit die Bremse auch immer zuver­läs­sig funk­tion­iert.

 

2. Wie transportiert ihr den Kinderwagen?

 

Fahrt ihr haupt­säch­lich mit der Bahn oder mit dem Auto?

Im Auto

Muss der Kinder­wa­gen oft im Auto trans­portiert wer­den, sollte er möglichst leicht sein und schnell bzw. ein­fach zusam­men klapp­bar sein.
Bei einem kleineren Kof­fer­raum soll­tet ihr ihn möglichst klein zusam­men­fal­ten kön­nen.
Auch ist es hil­fre­ich, wenn der Kinder­wa­gen in ein oder zwei Teile getren­nt wer­den kann. Zwei Teile lassen sich in kleinen Autos je nach Auto platzscho­nen­der aufteilen, auch wenn der Kinder­wa­gen an sich eher von der großen Sorte ist.

Mit dem Zug/der Bahn
Fahrt ihr oft mit der Bahn oder dem Zug, ist es wichtig, dass der Kinder­wa­gen nicht zu bre­it ist, damit er gut durch Türen passt.
Zudem sollte er leicht sein, da ihr ihn häu­fig anheben müsst.
Es wäre hil­fre­ich, wenn der Griff des Kinder­wa­gens ein­fach zusam­men­klapp­bar wäre. Dadurch spart ihr in engen Räu­men wie der Straßen­bahn Platz beim Ste­hen.

Zu den schw­er­ern Mod­ellen gehören die Kinder­wa­gen der Fir­ma Joolz und Emmaljun­ga.

 

3. Wie häufig ist der Kinderwagen im Einsatz?

 

Soll der Kinder­wa­gen nur ab und zu von den Großel­tern genutzt wer­den und ihr als Eltern benutzt eine Trage­hil­fe? Dann kann man dur­chaus Abstriche bei der Funktionalität/Verarbeitung,… machen.

Bei häu­figem Ein­satz lohnt es sich, auf das Gewicht des Kinder­wa­gens zu schauen (nicht nur auf das Gesamt­gewicht, son­dern auch auf das der Baby­wanne, des Gestells/Sportsitzes).
Je häu­figer ihr mit dem Kinder­wa­gen unter­wegs seid, desto höher sind in der Regel eure Ansprüche an ihn sein. Es gibt nichts Nervigeres, als ein schreien­des Kind im Arm zu haben und ewig zu brauchen, bis der Kinder­wa­gen zusam­men geklappt ist.

 

4. In welchem Stockwerk wohnt ihr und habt ihr einen Fahrstuhl?

 

Wenn ihr in einem oberen Stock­w­erk wohnt, ist ein seitlich­er Trage­griff am Kinder­wa­gen hil­fre­ich.
Wenn der Fahrstuhl eng ist, sollte der Kinder­wa­gen diesel­ben Anforderun­gen haben, wie im Zug/der Bahn (siehe 2. Abschnitt).

 

5. Wo stellt ihr den Kinderwagen ab?

 

Soll der Kinder­wa­gen im Ein­gangs­bere­ich eines Mehrfam­i­lien­haus­es ste­hen, sollte der Kinder­wa­gen nicht zu groß und sper­rig sein. Kann er in der Garage ste­hen, ist die Größe hinge­gen nicht so wichtig. Soll er mit in eure Woh­nung? Dann wäre es gut, wenn er leicht zusam­men­klapp­bar oder teil­weise ein­klapp­bar ist, um Platz zu sparen.

 

6. Die Körpergröße von euch und eurem Kind: Wie groß seid ihr? 

 

Ist ein­er von euch vielle­icht groß und der andere (deut­lich) klein­er?

Dann achtet darauf, dass die Kinder­wa­gen-Griffe (dort, wo ihr lenkt) höhen­ver­stell­bar sind.

Wenn ihr groß seid, kön­nten Trage­bügel für euch kom­fort­a­bel sein.

Wenn ihr klein seid, ist ein Trage­griff in Form von seitlichen Schlaufen (bewegliche Trage­griffe) hil­fre­ich. Warum? Ger­ade wenn ihr Trep­pen hoch laufen müsst, kön­nt ihr die Schlaufen weit­er unten anheben, sodass die schwere Baby­wanne (mit Gewicht) nicht an die Trep­pen stößt. Und ihr müsst den Arm nicht so weit hochheben.
Bei klein­er Kör­per­größe kön­nte das Tra­gen der Baby­wanne mit Trage­bügeln eher unan­genehm für euch wer­den, da ihr die Wanne viel mehr hochheben müsst (=Muskelkater :-)).

Wie groß kön­nte euer Baby wer­den?
Wenn euer Baby eher groß sein wird (z.B. weil ihr oder viele Fam­i­lien­mit­glieder groß sind), ist es wichtig, dass die Baby­wanne großzügig (und nicht etwa zu kurz und zu schmal) aus­fällt.

 

Weitere Tipps:

 

  • Achtet auf die qual­i­ta­tive Ver­ar­beitung: Schlack­ern die einzel­nen Ele­mente hin und her oder habt ihr das Gefühl, dass es sich um einen sta­bilen, kom­pak­ten, durch­dacht­en Kinder­wa­gen han­delt?

 

  • Testet den Wagen aus­giebig im Laden: Baut ihn zusam­men und auseinan­der. Fahrt mit ihm durch die Gänge, hebt ihn mehrere Male hoch. Und rech­net immer das Gewicht des Kindes hinzu (z.B. 3–6 kg für die Baby­wanne und 6 — 15 kg für den Sport­sitz)

 

  • Wenn es eine Wick­eltasche im Laden gibt, ver­sucht diese am Lenker anzubrin­gen und legt ein Gewicht in den Kinder­wa­gen. Kippt der Wagen dabei leicht oder ste­ht er sta­bil?

 

  • Achtet auf Schad­stoffe und schaut euch Testergeb­nisse der Stiftung War­entest und Ökotest an. Hierzu find­et ihr u.a. auch hier und hier Berichte.

 

  • Manch­mal ist ein Trav­el­sys­tem beim Kauf eines Kinder­wa­gens hil­fre­ich. Trav­el­sys­tem bedeutet, dass du ein Kinder­wa­gengestell nutzt, das immer das­selbe bleibt – nur der Auf­satz ändert sich.
    Wenn das Kind noch sehr klein ist, nutzt du als Auf­satz z.B. die Baby­wanne, in der dein Baby liegt.
    Wenn du eine sehr kurze, ebene Strecke schnell zurück­le­gen willst, ohne den Maxi Cosi herum­schlep­pen zu müssen, nimmst du die Baby­wanne ab und steckst den Kinder­sitz (z.B. Maxi Cosi) auf das Gestell.
    Wenn das Kind später selb­ständig (ohne Hil­fe oder Unter­stützung!) sitzt, tauschst du die Baby­wanne gegen den Sport­sitz aus.
    Achtung: Bitte nicht vorher, das ist schädlich für den Rück­en und die Entwick­lung deines Kindes!
    Warum es unge­sund ist, das Kind in eine sitzende Posi­tion zu brin­gen, bevor es selb­st sitzen kann, habe ich bere­its hier erk­lärt.
    Eine Faus­tregel besagt, dass Babys max­i­mal ca. 30 Minuten am Stück in der Babyschale (z.B. Maxi Cosi) liegen soll­ten, anson­sten kön­nen Schä­den an der Wirbel­säule dro­hen.
    Lest hierzu mehr hier nach (springt am besten zum Abschnitt„MaxiTaxi).

 

  • Wie qual­i­ta­tiv ist die Matratze, auf der das Kind im Kinder­wa­gen liegt? Sie sollte nicht zu hart oder zu weich sein, es sollte kein Schaum her­auss­chauen.

 

  • Das Dach des Kinder­wa­gens sollte möglichst weit nach vorne aus­fahrbar sein, damit das Kind vor Sonne geschützt ist. Anson­sten kön­nte ein zusät­zlich­es Son­nensegel oder ein Son­nen­schirm für euch hil­fre­ich sein (dieses kauft ihr am besten gebraucht!).

 

  • Der Kinder­wa­gen sollte das GS-Zeichen oder das TÜV-Zeichen haben.

 

  • Darüber hin­aus empfehle ich euch, diesen Artikel zum The­ma Kinder­sicher­heit zu lesen, bevor ihr euch für einen Kinder­wa­gen entschei­det.

 

  • Wer Geld beim Kauf eines Kinder­wa­gens sparen will, für den kön­nte dieser Bericht hil­fre­ich sein.

 

Was ich euch beim Kauf eines Kinderwagens nicht empfehle

 

  • Es gibt Kinder­wä­gen für Eltern, die so konzip­iert sind, dass man mit ihnen gut joggen kann. Ein Beispiel ist der “Jog­g­ster Sport” der Fir­ma TFK.
    Ich rate euch von diesem Kinder­wa­gen ab. Er kann nur vor­wärts gerichtet genutzt wer­den — das kann ein Kind ger­ade in den ersten Monat­en schnell über­fordern. Wenn Kinder über­fordert oder über­reizt sind, neigen sie dazu, zu schreien.

 

  • Es gibt Kinder­wä­gen, bei denen das The­ma Design im Vorder­grund ste­ht (z.B. beim Joolz). Das finde ich per­sön­lich nicht wichtig bzw. über­be­w­ertet.  Klar soll der Kinder­wa­gen schön anzuse­hen sein, aber ich brauche nicht das High-End-Design-Mod­ell, das dann aber im All­t­ag nicht so richtig taugt. Als Mut­ter ändern sich häu­fig deine Pri­or­itäten nach der Geburt — Funk­tion­al­ität wird dann häu­fig wichtiger als Design ;-). Auch Hand­brem­sen finde ich beim Kinder­wa­gen nicht wichtig (z.B. beim TFK Jog­g­ster). Ich selb­st wohne in ein­er Gegend mit starkem Gefälle (vie­len Hügeln) und habe noch nie eine Hand­bremse ver­misst!

 

Eine kleine Anekdote zu Babyone und deren Kinderwagen-Beratung

 

Inter­es­sant fand ich in eini­gen Baby­one-Fil­ialen, dass Fre­undin­nen und mir (unab­hängig voneinan­der) häu­fig vor allem die Marke Har­tan emp­fohlen wurde. Sowohl beim Kinder­sitz als auch beim Kinder­wa­gen. Eine Bekan­nte von mir äußerte ein­mal den Gedanken, ob es da vielle­icht eine Art Pro­vi­sionsvere­in­barung zwis­chen Har­tan und Babyy­one geben kön­nte? Ich bin zu sel­ten im Baby­one, als dass ich das bestäti­gen kann und mir war das bis­lang auch nicht aufge­fall­en. Ich will auch keine unwahren Annah­men ver­bre­it­en.
Es ist aber trotz­dem inter­es­sant im Hin­terkopf zu behal­ten, falls man dort einen Beratung­ster­min in Anspruch nimmt. So kön­nt ihr darauf Wert leg­en, dass euch auch andere Kinder­wä­gen aus­führlich beschrieben wer­den.

 

Hier und hier noch eine Über­sicht an Kinder­wä­gen, die von anderen Blog­gern emp­fohlen bzw. nicht emp­fohlen wer­den.

 

Welche Erfahrung habt ihr bei eurem Kinder­wa­gen-Kauf gemacht? Seid ihr zufrieden mit eurem Kinder­wa­gen? Wenn ja, warum? Was gefällt euch nicht?
Was ist euch per­sön­lich bei einem Kinder­wa­gen wichtig?

An dieser Stelle möchte ich mein­er Fre­undin Mar­i­anne danken, dir mir das Bild ihres Kinder­wa­gens zur Ver­fü­gung gestellt hat ♥

 

 

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