Zucker für ein Kind? Muss das sein?
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Zucker in den ersten Kinderjahren – ja oder nein?

4. Mai 2018

Spätestens mit Beginn der Fam­i­lienkost wird man häu­fig mit einem kon­fron­tiert: Zuck­er. Sei es der zuge­set­zte Zuck­er in den Kinderkek­sen vom Drogeriemarkt, in der Marme­lade oder im ver­meintlich gesun­den Gemüse-Mix vom Lebens­mit­tel­händler um die Ecke.
Und dann die Ver­wandten, die einem manch­mal damit in den Ohren liegen, „dass doch so ein biss­chen Zuck­er nicht schadet“, dass das auch ihren Kindern nicht geschadet hat und „Kinder ander­er Eltern doch auch Süßigkeit­en bekom­men“.

Zum Hintergrund

In diesem Artikel möchte ich euch etwas über meine Sichtweise zum The­ma Zuck­er für mein Kleinkind erzählen. Wie immer gilt auch bei diesem Artikel: Es ist meine per­sön­liche Sichtweise.
Sicher­lich gibt es auch andere Mei­n­un­gen– jede Mama soll für sich entschei­den, wie sie damit umge­hen möchte. Ich „ver­teu­fle“ da nichts und nie­man­den, habe aber für uns entsch­ieden, diesen Weg so zu gehen.

Zuallererst: Wenn ich von Zucker spreche…

…dann meine ich vor allem Indus­triezuck­er. Aber auch andere Zuck­er­arten, wie z.B. Agaven­dick­saft,  Honig, zu viel Fruchtzuck­er oder Glukose etc. ver­suche ich bei Klein J zu ver­mei­den.

Ich bin kein „Zucker-Gegner“

Vor­weg­nehmen möchte ich, dass auch ich gerne mal ein Stück Kuchen oder Schoko­laden-Kekse esse.
Als Kind durfte ich nur wenig Süßes essen und war daher ab der Ein­schu­lung nahezu gierig nach Süßem (ver­mut­lich nicht deshalb, weil es so außergewöhn­lich leck­er war, son­dern vor allem deshalb, weil es die anderen Kinder haben durften und ich nicht ;-)).
Ich habe mir deshalb vorgenom­men, dass Süßigkeit­en bei uns Zuhause kein gehei­mumwit­tertes, spaßbe­fre­ites Mys­teri­um bleiben sollen. Wenn meine Tochter irgend­wann mal aktiv Inter­esse daran zeigt, dann soll sie auch Süßes bekom­men. Aber in Maßen, mit der richti­gen Dosis. Und wann dieser Zeit­punkt ist, das entschei­de ich dann.
Ich finde es wichtig, erst ein­mal leckere, gesunde Alter­na­tiv­en anzu­bi­eten. Manch­mal hat man ja auch als Erwach­sen­er „Süßhunger“ und freut sich auch über einen Obst­salat oder ein selb­st­gemacht­es Fruchteis.
Oder man hat eigentlich Hunger bzw. Durst und ver­wech­selt das mit Gelüsten auf Süßes.

Jeden­falls: Mein Wun­sch ist es, in diesem Artikel aufzuk­lären. Ich möchte nicht mah­nend daherkom­men, denn Ernährung ist auch oft Ansichtssache.

Meine Gründe gegen Zucker

Das fehlende Bedürfnis bzw. der nicht vorhandene Wunsch

Mein Kind hat mit 1,5 Jahren noch nicht das Bedürf­nis nach Süßem, wie zum Beispiel Kuchen oder Kek­sen, geäußert. Sie ist vol­lkom­men zufrieden, wenn sie zuck­er­freie Vol­lko­rnkekse, selb­st gemachte Müs­liriegel, Hirse-Kringel oder etwas anderes ange­boten bekommt. Wenn wir  sie mal an etwas Süßem naschen ließen, zeigte sie kein gesteigertes Inter­esse daran, mehr davon zu bekom­men. Selb­st wenn sie mal Inter­esse an Süßem zeigt, ist das mehr Neugierde und kann bis­lang wun­der­bar mit ander­er, gesün­der­er Kost befriedigt wer­den. Sie durfte sog­ar mal wählen: Wollte sie süße But­terkekse oder lieber Oliv­en? Die Entschei­dung viel ein­deutig auf Oliv­en (sie ist ver­rückt nach denen).

Solange dieses Ver­lan­gen, wie es viele Kinder ab ca. 2,5/3 Jahren zeigen, noch nicht bei Klein J vorhan­den ist, sehe ich auch keinen Bedarf, ihr Kinder-Pin­guin, Marme­laden­brot oder Mil­ka-Schoko­lade aufzutis­chen ;-).

Gewöhnung

Der Geschmackssinn wird ins­beson­dere in den ersten Leben­s­jahren geprägt und bee­in­flusst spätere Vor­lieben. Wenn ein Kind immer wieder Süßes bekommt, kann es sich an den süßen Geschmack gewöh­nen und diesen süßen Geschmack regelmäßig brauchen und ein­fordern.
Zuck­er regt im Gehirn übri­gens auch die gle­ichen Gegen­den an wie Alko­hol oder Nikotin.

Zucker und die großen Volkskrankheiten

Hier zitiere ich mal die Forscher­gruppe um das Team rund um Dr. Feil (einen Biolo­gen und Lehrbeauf­tragten an der Uni Furt­wan­gen): „Dass Zuck­er dick macht (…), ist wohl den meis­ten bekan­nt. Dass der regelmäßige Zuck­erkon­sum allerd­ings auch zu erhöhtem Bluthochdruck führt und gle­ichzeit­ig das Risiko, an Krebs, Alzheimer, Osteo­porose, Arthrose oder an Artherosklerose zu erkranken erhöht, wis­sen die Wenig­sten unter uns.“

Veranlagung zu Diabetes in meiner Familie

In mein­er Fam­i­lie haben viele Mit­glieder Dia­betes. Auch ich hat­te einen Schwanger­schafts­di­a­betes – bei ein­er eigentlich gesun­den Ernährung.
Da Klein J möglicher­weise auch eine Ver­an­la­gung zu der Zuck­erkrankheit hat, möchte ich bei ihr auf eine gesunde Ernährung acht­en, um dieses Risiko zu min­imieren.

(Häufige) zuckerhaltige Mahlzeiten fördern Karies

Ich finde es wichtig zu wis­sen, dass Zuck­er heute oft­mals vielem beige­set­zt ist: Den Brötchen am Mor­gen, dem Ketchup zum Mit­tagessen, den Corn­flakes und dem Fruchtjoghurt am Nach­mit­tag, dem Bro­tauf­strich am Abend. So kom­men die Zähne unser­er Kinder immer wieder mit Zuck­er in Berührung und die Entste­hung von Karies kann gefördert wer­den.
Wenn dann die Kinder auch noch nicht gerne Zähne putzen (was lei­der oft der Fall ist), dann ist das für die Zah­nge­sund­heit unser­er Kinder nicht unbe­d­ingt förder­lich.
Zuck­er alleine ist zwar kein Kariesveru­racher, denn vor allem Säuren (zum Beispiel Frucht­säuren) kön­nen Karies begün­sti­gen.
ABER: In vie­len indus­triell hergestell­ten Lebens­mit­teln find­et sich Zuck­er, der nur aus weni­gen Zuck­er­molekülen beste­ht – den soge­nan­nten Ein- und Zweifachzuck­er. Karies­bak­te­rien kön­nen diesen Zuck­er sehr schnell ver­w­erten.
Mehrfachzuck­er (auch Poly­sac­cha­ride genan­nt) beste­hen aus zehn und mehr Zuck­er­molekülen. Um diese zu spal­ten, brauchen die Bak­te­rien in unserem Mund deut­lich länger, als bei den Ein- und Zweifachzuck­ern. Zu den Mehrfachzuck­ern gehört beispiel­sweise die Stärke, die sich in Kartof­feln, Brot, Reis oder Getrei­des­orten, wie Mehl, befind­et.

Karies ist übri­gens ansteck­end. Wer als Mut­ter oder Vater auf seine eigene Mundge­sund­heit achtet, der ver­ringert das Risiko, dass Karies­bak­te­rien in ihrem Mundraum an das Kind weit­ergegeben wer­den.

Keine gesunden Bestandteile

Zuck­er ist nicht gesund, da er ohne weit­ere Nahrungs­be­standteile daher kommt und dem Kör­p­er lediglich Energie zuführt.
An dieser Stelle möchte ich die Ernährungsmedi­ziner­in Ute Gola zitieren:
„In raf­finiertem Zuck­er ist nichts drin. Er ist ein reines Kohlen­hy­drat. Wer 100 Gramm zu sich nimmt, isst zir­ka 400 leere Kalo­rien ohne Vit­a­mine, ohne Min­er­alien“.
Warum nicht also eine süße Alter­na­tive anbi­eten, die leck­er schmeckt und gle­ichzeit­ig gesunde Bestandteile hat?

Kinder schmecken intensiver wie Erwachsene

Ein Erwach­sen­er ver­fügt über 2000 bis 5000 Geschmack­sknospen. Bei einem Säugling sind es dop­pelt so viele. Teenag­er haben noch unge­fähr 9000 Geschmack­sknospen.
Kinder schmeck­en deshalb oft inten­siv­er wie wir. Das heißt im Umkehrschluss: Wir müssen wed­er stark würzen, noch zuck­ern.

Zucker kann die Entstehung von Krebs fördern

Wis­senschaftler sind sich einig, dass Tumorzellen zur Ver­mehrung Zuck­er brauchen. Die Forschung ist hier zwar noch am Anfang.
Ein inter­na­tionales Wis­senschaftlerteam an der Har­vard Med­ical School um den Pro­fes­sor und Bio­chemik­er Lewis Cant­ley erforschte jedoch, welche Rolle Zuck­er bei der Entste­hung von Krebs spielt. Cant­ley hält es nach dieser Studie für wahrschein­lich, dass in vie­len Fällen ein hoher Zuck­erkon­sum Krebs über­haupt erst entste­hen lässt. Deshalb emp­fiehlt Cant­ley emp­fiehlt,  so wenig Zuck­er wie möglich zu essen.

Zucker im Verhältnis sehen

Ich finde es wichtig, eines zu bedenken: Wenn wir für uns Erwach­sene von „wenig Zuck­er“ sprechen, heißt das im Umkehrschluss nicht unbe­d­ingt, dass das im Ver­hält­nis auch wenig Zuck­er für unsere Kinder ist.
Kinder sind in der Regel klein­er wie wir, der Kör­p­er ist noch in der Entwick­lung und sie haben eine andere Ver­dau­ung wie wir Erwach­sene.
Genau aus diesem Grund emp­fiehlt die WHO (Welt­ge­sund­heit­sor­gan­i­sa­tion) auch eine weitaus gerin­gere, tägliche Menge an Zuck­er für Kinder als für Erwach­sene.

Nun fragt ihr euch sich­er: Wenn ich meinem Kind wenig Indus­triezuck­er gebe, welche gesün­deren Alter­na­tiv­en gibt es dann? Dazu fol­gt in Kürze ein neuer Artikel.

Wie geht ihr mit dem The­ma um? Gebt ihr euren Kindern keinen Zuck­er, wenig Zuck­er oder soviel sie möcht­en? Habt ihr euch mit dem The­ma denn schon ein­mal befasst oder war das für euch bis­lang nicht so rel­e­vant? Habt ihr Tipps oder Ergänzun­gen?
Wenn ihr Inter­esse habt, schreibe ich gerne mehr Beiträge zum The­ma Ernährung. Über einen Kom­men­tar von euch würde ich mich freuen!

 

Quellen:

https://www.dr-feil.com/blog/allgemein/zucker.html

https://www.tagesspiegel.de/wissen/fitness/zucker-oder-suessstoff-das-problem-mit-der-suessen-versuchung/9632572.html

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wie-gefaehrlich-ist-Zucker-wirklich-,zucker133.html

https://www.planet-wissen.de/natur/sinne/schmecken/index.html

https://www.prof-dhom.de/infowelt/behandlung/karies/ursachen/

https://www.ndr.de/ratgeber/verbraucher/Wie-gefaehrlich-ist-Zucker-wirklich-,zucker133.html

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/weniger-zucker-zu-sich-nehmen-darum-ist-es-so-wichtig-a-1028998.html

https://dr-ahlvers.de/zucker-und-karies/

 

 

 

 

 

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